HOHES EISEN - Oxidativer Stress

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Eisenstoffwechsel, Anämien. Therapie
und Diagnose. Neue Konzepte bei Renaler Anämie und Rheumatoider Arthritis
von M. Wick, W. Pinggera, P. Lehmann  Broschiert-218 Seiten Erscheinungsdatum:  September 2000 Hier bestellen!

Kurzbeschreibung
Eisenstoffwechselstörungen, insbesondere der Eisenmangel, zählen zu den am häufigsten übersehenen oder fehlgedeuteten Erkrankungen. Anämien sind ein weltweites Problem. Davon betroffen sind vor allem ältere Menschen. Nach den WHO-Kriterien (World Health Organisation. Nutritional anemias. Technical Reports Series 1992; 503) spricht eine Hb-Konzentration <12g/dl bei der Frau und <13g/dl beim Mann für eine Anämie. Danach haben 10-22% der Frauen und 6-30% der Männer älter als 65 Jahre eine Anämie. In dieser Auflage werden die Schwerpunkte auf die Therapie von renalen und entzündlichen und vor allem auf rheumatoide Anämien gesetzt. Dennoch bleibt weltweit der Eisenmangel mit Abstand die häufigste Anämieursache. Darüber hinaus haben auch neue Erkenntnisse über den Gendefekt der Hämochromatose sowie über die Folgen der Eisenüberladung dazu geführt, diesen bisher unterschätzten Problemen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die Diagnostik - und insbesondere die Therapie der Anämien - haben in den letzten Jahren derartige Fortschritte gebracht, die nahelegen, die Therapie und das diagnostische Spektrum zu erweitern. Die Autoren haben sich deshalb entschlossen, das Buch zu überarbeiten. Die starke Nachfrage machte eine sechste, erweiterte Auflage notwendig.

INHALT
Oxidativer Stress:Das Kreuz mit dem Eisen
Hohe Eisenspiegel im Blut steigern das Risiko für einen Herzinfarkt
Eisen-Überangebot: Wie Sie Ihren «Rost» wieder loswerden

Herzkreislauferkrankungen / Ergebnisse zweier Studien

Hohe Eisenspiegel im Blut steigern das Risiko für einen Herzinfarkt
Utrecht/Kuopio (Rö). Bei Menschen, die erhöhte Eisenspiegel haben, ist offenbar das KHK-Risiko gesteigert. Dieser als "Eisen-Hypothese" bezeichnete Zusammenhang ist jetzt in zwei Studien bestätigt worden. Besonders deutlich ist der Zusammenhang offenbar bei Frauen nach der Menopause, die Rauchen und zu hohen Blutdruck haben. Sie haben ein 20fach erhöhtes Risiko an einer Herz-Kreislauf-Krankheit zu sterben im Vergleich zu Frauen, die nicht rauchen, keine Hypertonikerinnen sind und normale Eisenspiegel haben. Starke Hinweise darauf, daß die schon lange diskutierte Eisen-Hypothese als Ursache von Herzkreislauf-Erkrankungen wirklich gültig ist, kommen aus zwei Studien, deren Ergebnisse jetzt in "Circulation" veröffentlicht worden sind.Dr. Yvonne T. van der Schouw und ihre Kollegen von der Universität Utrecht in den Niederlanden haben in einer Studie 12 239 Frauen nach der Menopause untersucht. Geprüft wurde, ob bei denjenigen unter ihnen, die ein Allel für die erbliche Eisenspeicherkrankheit, also die heterozygote Form der Krankheit haben, eine höhere Rate an kardiovaskulären Krankheiten festzustellen ist (100, 199, 1268).Das Ergebnis bestätigt dies eindeutig. Wie zu erwarten war, ist bei den Frauen ohne genetische Veränderung für die Eisenspeicherkrankheit, die rauchen oder Hypertonikerinnen sind der beides, haben die kardiovaskuläre Sterberate leicht erhöht. Für Frauen mit Eisenspeicherkrankheit gilt dies auch. Stark erhöht ist die Sterberate für eine bestimmte Gruppe von Frauen. Sie haben wegen der Eisenspeicherkrankheit erhöhte Eisenspiegel im Blut. Zusätzlich sind sie Hypertonikerinnen und sie rauchen. In einer zweiten Studie haben Professor Jukka T. Salonen und Kollegen von der Universität von Kuopio in Finnland in einer prospektiven Kohortenstudie 1150 Männer untersucht. Sie haben an der Kuopio Ischemic Heart Disease Study teilgenommen und von ihnen hat eine DNS-Probe vorgelegen (100, 1999, 1274). Untersucht wurde dabei auch, ob die Teilnehmer eine bestimmte Gen-Mutation hatten, die mit der Eisenspeicherkrankheit verknüpft ist, die Gen-Mutation Cys282Tyr. Ein Allel für diese Mutation hatten 6,7 Prozent der Männer. Nach einer mittleren Studien-Beobachtungszeit von neun Jahren wurde Bilanz gezogen. Zehn Prozent der Männer mit der Herzinfarkt bekommen, aber nur fünf Prozent der Männer, die die genetische Veränderung nicht hatten. Bei den Männern mit Eisenspeicher-Krankheit ist die Herzinfarkt-Rate also verdoppelt.

 Kommentar Von Heinz Dieter Rödder Aufwind für die Eisen-Hypothese

Erhöhte Eisenspiegel im Blut sind ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Wissenschaftler, die seit Anfang der 80er Jahre diese "Eisen-Hypothese" vertreten, wollen damit auffällige Unterschiede in der Häufigkeit von Herzinfarkten erklären. Zum Beispiel bei Frauen verschiedenen Alters. Der Schutz jüngerer Frauen wäre damit weniger durch das Östrogen zu erklären, sondern durch den monatlichen Blut- und Eisenverlust. Fällt dieser nach der Menopause weg, steigt die Herzinfarktrate steil an. Bekannt ist auch, daß regelmäßige Blu-spender weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Eventuell ist das nicht nur damit zu erklären, daß diese Menschen gesünder sind als der Rest der Bevölkerung, sondern es liegt am regelmäßigen Aderlaß. Solche Erklärungen haben immer viel Widerspruch hervorgerufen. Aufwind bekommen die Kollegen, die die "Eisen-Hypothese" vertreten, jetzt durch die Ergebnisse von zwei Studien, in denen jeweils eine Gruppe von Männern und eine von Frauen nach der Menopause über Jahre untersucht worden sind. Unter ihnen waren auch jeweils einige Prozent mit den genetischen Veränderungen für eine Form der Eisenspeicherkrankheit, die erhöhte Serum-Spiegel an Eisen zur Folge hat. Und die Menschen mit den erhöhten Eisenspiegeln hatten wirklich eine erhöhte Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders interessant ist das Ergebnis der Studie mit den Frauen. Hier war das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, bei den Frauen mit Hypertonie, Rauchen und erhöhten Eisenspiegeln aufgrund des genetischen Defekts 20fach erhöht. Dies paßt zu der bekannten Tatsache, daß Risikofaktoren für Herzkreislauf-Erkrankungen sich nicht addieren, sondern potenzieren. Es gibt eine Erklärung, wie die atherogene Wirkung des Eisens zustande kommt. Bekanntlich katalysiert Eisen die Oxidation. Fördert es auch die Oxidation von LDL-Cholesterin, würde das bedeuten, daß mehr von dieser als besonders atherogen angesehenen Substanz entsteht. Der oxidative Streß durch das Rauchen wird noch verstärkt und greift zusätzlich die durch den hohen Blutdruck geschädigten Gefäße an. Vieles paßt zusammen beim Thema Eisen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sogar die Häufigkeit der Eisenspeicherkrankheit von etwa fünf bis sieben Prozent in der Bevölkerung ist genauso hoch wie der Anteil der Hoch-Risikopatienten in großen prospektiven Studien. Was noch fehlt, ist eine Interventionsstudie, die belegt, daß erniedrigte Eisenspiegel eine erniedrigte Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur Folge haben.


Eisen-Überangebot:  Wie Sie Ihren «Rost» wieder loswerden
von Dr. med. Neal D. Barnard
Dr. med. Neal D. Bornard ist Vorsitzender des «Physicians Committee for Responsible Medicine» (etwa: ärztliches Komitee für verantwortungsbewusste Medizin) und ausserordentliches Mitglied der Leitung des Institutes für Verhaltensforschung an der medizinischen Fakultät der George Washington University.
Die meisten von uns wurden in der Überzeugung gross gezogen, Fleischwaren seien unsere beste Quelle für die Versorgung mit Eisen. So erscheint es nicht weiter verwunderlich, wenn man immer wieder die Meinung hört, dass eine Umstellung auf rein vegetarische Kost mit dem Absenden einer schriftlichen Einladung an die Eisenmangel-Anämie gleichzustellen wäre. In Wirklichkeit aber verhält es sich so, dass Vegetarier auch nicht häufiger von einer solchen «Blutarmut» betroffen sind, und dass ihnen zudem andere gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit Eisen erspart bleiben, wie sie durch den Verzehr von Fleisch hervorgerufen werden.
Freie Radikale: Eine kostspielige Angelegenheit
Während jedermann bekannt ist, dass wir Eisen benötigen, um den Transport von Sauerstoff im Blut zu gewährleisten, sind sich nur wenige Zeitgenossen dessen bewusst, dass ein Überangebot an Eisen in hohem Masse abträglich ist für den Zustand unserer Gesundheit. Genau wie das Zusammenwirken von Eisen und Sauerstoff zu einer Oxidationsbildung in der Form führt, die wir als Rost bezeichnen, läuft ein ganz ähnliches Geschehen auch im inneren unseres Körpers ab. Eisen begünstigt dort nämlich die Entstehung von freien Radikalen und ihren schädlichen Folgeerscheinungen.Bei freien Radikalen handelt es sich um instabile, destruktiv wirkende Moleküle. Sie treten in vielerlei chemischen Formen auf, die bei allen Unterschiedlichkeiten jedoch eine Eigenschaft gemeinsam haben: sie können in aggressiver Weise mit benachbarten Molekülen reagieren und sie so schädigen, dass sie ihre Stabilität einbüssen und ihrerseits wieder dazu übergehen, noch weitere Moleküle anzugreifen, was dann Kettenreaktionen von zerstörerischen Vorgängen auf zellulärer Ebene in Gang bringt. Sie attackieren also genau jene Zellgewebe, die letztlich unseren Organismus ausmachen.
Wenn Eisen wie ein Munitionszünder wirkt
Dr Randall B. Lauffer arbeitet als Biocherniker an der Harvard University. Aus seinem Buch «Iron Balance» (etwa: Ausgewogenheit beim Eisen) geht hervor, dass Eisen wie eine Zündkapsel in einem Munitionslager wirken kann. Nach den Ausführungen von Dr. Lauffer «bildet Eisen einen grundlegenden Bestandteil der auf freie Radikale aufgebauten Theorie über krankhafte Erscheinungen». Diese Rolle wurde vor einiger Zeit entdeckt, und bei der ständigen Fortentwicklung unserer Kenntnisse im Laufe der Jahre wurde uns deutlich, dass das Eisen sich gewissermassen mitten im Zentrum dieser ganzen chemischen Vorgänge befindet. Eisen wirkt als Katalysator bei der Herausbildung der freien Radikale mit, die dann das umliegende Gewebe schädigen. Haben wir überhaupt grössere Mengen von überschüssigem Eisen in unserem Körper? Diese Frage muss leider positiv beantwortet werden. Der männliche Organismus sammelt während seiner gesamten Erwachsenenphase immer mehr Eisen an. Bei den meisten Frauen wird das Übermass an Eisen erst zu einem Problem, nachdem der Menstruationszyklus zum Stillstand gekommen ist. Die Schädigungen, die von jenen über den Katalysator Eisen entstandenen freien Radikalen hervorgerufen wurden, schätzt man heute vielfach als eine Art von Zündfunken ein, der sowohl Herzerkrankungen als auch krebsartigen Entwicklungen zum Durchbruch verhelfen kann, und der zusätzlich noch zu einer Verschlimmerung von Alterungsprozessen beiträgt.
Und woher beziehen wir denn nun all dieses Eisen, das uns soviel Kopfzerbrechen bereitet? Aus Fleischprodukten in allererster Linie. Fleisch enthält eine Form dieses metallischen Elements (die HämEisenverbindungen), die geringfügig leichter vom Körper aufgenommen wird als das Eisen aus pflanzlicher Nahrung. Diese Tatsache hielt man früher für einen Vorteil, doch mittlerweile hat man erkannt, dass ein Überangebot an Eisen für die gesundheitlichen Probleme von mehr Patienten verantwortlich zu machen ist als ein etwaiger Eisenmangel. Die Ernährungsweise auf der Grundlage von Fleischerzeugnissen, wie sie in der westlichen Zivilisation vielfach gang und gäbe ist, steuert dazu den bestmöglichen Katalysator für die Heraus bildung von freien Radikalen bei. Auch in Gemüse, Bohnen und Getreideprodukten kommt Eisen vor, doch ist der Organismus bei diesen Nahrungsquellen besser in der Lage, die Aufnahme des Elements in Grenzen zu halten.
Eine Kostform, die stimmig ist
«Die Abänderungen in der regelmässigen Ernährung, wie sie heute von vielen Menschen versucht werden, um ihre Fett und Cholesterinwerte herabzusetzen, bringen im Endeffekt dann auch eine Verringerung der Eisenwerte mit sich», erklärt Dr. Lauffer. «Und so steht die augenblickliche Tendenz hin zu einer mehr auf vegetarischer Linie befindlichen Kost - mit dem Verzehr von weniger Fleisch und dafür mehr Früchten, Gemüse und Vollkornprodukten - ebenso voll und ganz im Einklang mit allem, was man über das Eisen in Erfahrung gebracht hat.» Im Gegensatz zur weitverbreiteten Auffassung steuern Vegetarier eben nicht geradewegs auf einen bedenklichen Eisenmangel zu. Vielmehr hat ihr Körper weniger grosse, sichere Mengen an eingelagerten Eisenreserven zur Verfügung.
Der besondere Wert von Obst und Gemüse beruht auf der Art von Eisen, das sie liefern, und auf ihrem reichen Gehalt an Vitaminen, die Oxidationsprozessen entgegenwirken, ebenso wie auf der Tatsache, dass bei diesen Lebensmitteln kein Cholesterin vorkommt. Ein hoher Cholesterinspiegel erscheint uns schliesslich genauso wenig wünschenswert wie lange Schlangen von Lastkraftwagen, die ständig auf jeder Strasse hin- und herfahren. Unfälle passieren immer wieder. Je mehr Cholesterin in Ihrem Blut gelöst ist, desto grösser wird die Wahrscheinlichkeit, dass einige der LDL-Moleküle in eine aggressive Reaktion mit freien Radikalen verwickelt werden.
(Dr. med. Neal D. Barnard)
Diesen Artikel ist aus der Zeitschrift «Fit fürs Leben », Ausgabe 3/1996 (Waldthausen Verlag, ISSN 0943-6618) übernommen.

            

Oxidativer Stress: Das Kreuz mit dem Eisen
 

      Oxidativer Stress greift das Immunsystem an und ist damit ein
      grundlegender Auslöser zahlloser Krankheiten. Seine Entdeckung
      gilt als wichtigste ernährungswissenschaftliche Erkenntnis der
      letzten Jahre.

                       Freie Radikale, oxidativer Stress und Antioxidantien: Alle Welt
                       führt neuerdings diese Begriffe im Mund, aber kaum jemand weiss
                       genau, um was es geht. Hier der Versuch einer

                       Erklärung dieses Mechanismus, der sich mehr und mehr als
                       Schlüssel für die Erklärung von praktisch allen wichtigen
                       Zivilisationskrankheiten entpuppt.

                       Eisen erfüllt eine lebenswichtige Funktion: Rund drei Gramm des
                       Metalls, gebunden in 25 Billionen roten Blutkörperchen,
                       transportieren den Sauerstoff von der Lunge zu den einzelnen
                       Zellen und das Kohlendioxyd von den Zellen zurück in die Lunge.
                       Der Sauerstoff wiederum wandelt Nährstoffe in Energie um, die die
                       Zellen verwerten können. Wird dem Körper jedoch zuviel Eisen
                       zugeführt, lagern sich überschüssige Eisenteilchen in vielen
                       Organen ab. Sie begünstigen die Bildung von freien Radikalen,
                       welche alles angreifen, was ihnen über den Weg läuft.

                       Im Normalfall kann sich unser Immunsystem gegen freie Radikale
                       erfolgreich wehren. Nehmen sie aber überhand, entsteht ein Art
                       Kettenreaktion und damit oxidativer Stress: Vor allem in
                       Verbindung mit Sauerstoff (Oxygen) bilden die freien Radikale
                       giftige Substanzen, die Arteriosklerose, Herzinfarkt, Krebs, die
                       Alzheimersche und andere Zivilisationskrankheiten auslösen
                       können.

      Wie können Sie oxidativem Stress vorbeugen?

      - Reduzieren Sie den Konsum von rotem Fleisch, Leber und Blutwürsten: Sie sind nicht
      nur die grössten Eisenlieferanten, sondern ihr Eisen - das sogenannte Hämeisen - wird
      vom Körper auch am besten aufgenommen.

      - Zahlreiche Wirkstoffe in pflanzlichen Nahrungsmitteln behindern die Eisenaufnahme:
      Dazu gehören Schwarz- und alle Heilkräutertees, Rotwein (massvoll!), kakaohaltige
      Produkte, Salat, Früchte und Gemüse, namentlich Broccoli, Zwiebeln, Knoblauch und
      die verschiedenen Kohlarten.

      - Antioxidantien neutralisieren die freien Radikale und schützen das Körperfett, damit
      es nicht - wie zu lang gelagerte Butter - ranzig wird.

      Die wichtigsten Antioxidantien sind Beta-Carotin (enthalten in allen roten, orangen und
      gelben Früchten und Gemüsen wie Rüebli, Orangen, Tomaten, Peperoni etc.) und
      Vitamin E, das sich vor allem in Salaten und Pflanzenölen findet, aber auch in Nüssen
      und Samen und in Oliven.

      - Die mediterrane Diät bietet einen hervorragenden Schutz vor oxidativem Stress.


Eisenhaltige Ernährung erhöht Parkinson-Risiko
SEATTLE. Eine hohe Zufuhr von Eisen und Mangan in der Nahrung begünstigt möglicherweise die Entstehung eines Morbus Parkinson. Zu diesem Ergebnis kommt eine bevölkerungsbasierte Fall-Kontrollstudie in Neurology (2003; 60: 1761-1766).
Eisen gehört zu den essenziellen, d.h. lebensnotwendigen Nährstoffen. Es ist deshalb ein beliebter Bestandteil von Vitaminpräparaten.
Dies bedeutet indes nicht, dass das Mineral unschädlich ist. Bekannt war, dass Eisen in therapeutischen Mengen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt auslösen kann. Außerdem fördert Eisen die Bildung von freien Radikalen, die unter anderem an der Entstehung des Morbus Parkinson beteiligt sein sollen.
Die Gruppe um Harvey Checkoway von der Universität von Washington in Seattle hat deshalb 250 Patienten mit einem neu aufgetretenen Morbus Parkinson Erkrankung nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Aus den Angaben wurde die Zufuhr mit Mineralstoffen bestimmt. Dabei zeigte sich, dass die Patienten im Vergleich zu 388 Kontrollen eine höhere Eisen- und Manganzufuhr mit der Ernährung hatten.
Für Personen mit der höchsten Eisen-Zufuhr (oberste Quartile) wurde ein um 70 Prozent erhöhtes Erkrankungsrisiko gefunden (Odds Ratio = 1,7, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,0-2,7), also ein Ergebnis am Rande der statistischen Signifikanz. Es gab jedoch eine synergistische Wirkung, wenn die Personen außerdem viel Mangan mit der Nahrung zu sich nahmen. Für diese Personen wurde nahezu eine Verdopplung des Erkrankungsrisikos gefunden (Odds Ratio = 1,9; 95-Prozent-KI 1,2-2,9).
Zu den Nahrungsmitteln, die besonders reich an beiden Mineralstoffen sind, gehören Spinat, Gemüse, Nüsse und Vollkornmehle. Eisen ist außerdem in rotem Fleisch und in Geflügelfleisch enthalten. Für eine Ernährungsempfehlung ist es nach Ansicht der Autoren jedoch noch zu früh. Zunächst müssten die Ergebnisse durch weitere Studien bestätigt werden. (10.06.2003) DEUTSCHES ÄRZTEBLATT


Nur bei festgestelltem Eisenmangel Ersatzpräparate nehmen

Köln - Eisen-Präparate sollten nur bei wirklichem Eisenmangel eingenommen werden. Studien zeigen, dass zu viel Eisen das Risiko erhöhen kann, an Hepatitis B und C und Krebs zu erkranken oder einen Herzinfarkt zu erleiden.
Das berichtet die von Ärzteverbänden in Köln herausgegebene Zeitschrift «medizin heute» (Ausgabe 10/2005). Auch das Gewebe kann durch zu viel Eisen angegriffen werden.
Wer Eisenmangel bei sich vermutet, sollte sich aber von seinem Hausarzt untersuchen lassen und nicht eigenmächtig zu Ersatz-Präparaten greifen, heißt es. Eisen ist im menschlichen Körper für die Bindung und den Transport von Sauerstoff zuständig. Ohne das Spurenelement wäre auch der Gasaustausch in der Lunge nicht möglich. Außerdem unterstützt es Stoffwechselvorgänge, Abwehr- und Entgiftungsmechanismen.
Meldung vom 28.09.2005 13:40 Uhr