EISEN

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Eisen (engl.:iron) allgemeine Aufgaben

Spurenelement Eisen - wichtig für die Versorgung mit Sauerstoff

Anämien

Eisen in der Nahrung

 

Eisenstoffwechsel, Anämien. Therapie
und Diagnose. Neue Konzepte bei Renaler Anämie und Rheumatoider Arthritis
von M. Wick, W. Pinggera, P. Lehmann  Broschiert - 218 Seiten -
Erscheinungsdatum:  September 2000
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Eisen (engl.:iron) hat die Hauptaufgabe Hämoglobin zu bilden. Das ist jenes Pigment, welches den Sauerstoff im Blut transportiert. Im Muskelgewebe liegt dieses Eisen als Myoglobin vor. Zuviel Eisen kann gefährlich für die Herzkranzgefäße sein. Deshalb sollte Eisen nur zugeführt werden, wenn ein echtes Defizit vorliegt. Für Frauen ist dies nicht so problematisch,da sie durch die Menstruation auch viel Eisen verlieren. Eisen sollte nur chelatiert bzw. in Verbindung mit anderen Mineralien aufgenommen werden.
( - ) zuviel Zink, Kaffee, zuviel Phosphor.
( +) Kupfer, C, Folsäure, B12, Kalzium.
Effektive tägliche Dosierungen liegen zwischen 10 und 25 mg
Eisen besitzt eine wichtige Funktion bei der Blutbildung, so daß es bei einem ausgeprägten Eisenmangel zu einer Blutarmut (Anämie) kommt. Für die Entstehung eines Eisenmangels ist der Gehalt eines Lebensmittels an Eisen nur ein Faktor unter  anderen. Die Verfügbarkeit des Eisens im Organismus wird vielmehr bestimmt durch die Verluste infolge Blutungen (Menstruation) sowie einem erhöhten Bedarf durch Wachstum und Schwangerschaften. Außerdem ist die Absorption von Eisen im Darm ein weiterer Faktor, der bei der Entstehung eines Eisenmangels diskutiert werden muß. Für die Aufnahme von Eisen wurde gezeigt, daß es besser aus kompletten Mahlzeiten als aus einzelnen Lebensmitteln absorbiert wird. Zudem ist es wichtig, in welcher Form das Eisen vorkommt. Eisen, welches in Vollkorngetreideprodukten und Gemüse reichlich  enthalten ist, wird schlechter resorbiert als Eisen aus Fleisch. Durch Mitverzehr eines Vitamin-C-haltigen Lebensmittels (Obst, Gemüse) kann die Resorption allerdings erheblich gesteigert werden. Das Obst im Müsli hat deshalb nicht nur Geschmacksfunktion, sondern steigert auch die Absorption des Eisens aus den Getreideflocken. In schwarzem Tee sind viele Gerbsäuren enthalten,die Eisen binden können. Deshalb wird die Aufnahme von Eisen verschlechtert, wenn zu den Mahlzeiten viel schwarzer Tee getrunken wird (ebenso bei Kaffee) Eine hohe Eisenzufuhr ist nach neuesten Forschungsergebnissen nicht unbedingt als positiv zu bewerten. Es sind negative Wirkungen auf den Dickdarm möglich und Eisen ist allgemein der limitierende Faktor für Bakterienwachstum im Körper. Deshalb hat wahrscheinlich Phytinsäure, die in Vollkornetreideprodukten in großer Menge vorkommt und Eisen im Darm abbindet, nicht nur negative Wirkung (Verschlechterung der Resorption an Magnesium, Zink,..).Eisenstoffwechsel, siehe auch Desferraltest, Eisen, Eisenbindungskapazität, Eisenresorptionstest, Ferritin, Transferrin, Transferrinsättigung. Eisen-Verteilung: ca. 2/3 des Körpereisens (4 - 5 g) ist im Hämoglobin und Myoglobin (als Fe++) enthalten. Der Rest wird als lösliches Ferritin oder als unlösliches Hämosiderin im retikuloendothelialen System (RES) gespeichert. Nur ein kleiner Teil (0.1 %) ist an Serum-Transferrin gebunden im Serum enthalten. Eisen-Verlust durch Abschilferung von Epithelien der inneren und äußeren Körperoberflächen. Bei Frauen durch die Periodenblutung (100 ml Blut enthalten ca. 50 mg Eisen = 1 % des gesamten Körpereisenbestandes). 1 mg Eisen wird pro Tag über die Galleausgeschieden.Serum-Transferrin ist ein in der Leber synthetisiertes Eisentransportprotein. Es besteht aus zwei Proteinuntereinheiten mit je einer Bindungsstelle für Fe+++. Die Bindungsstellen werden in Abhängigkeit von der Serum-  Eisenkonzentration mit Eisen belegt. Das mit zwei Fe+++ belegte Transferrin bindet sich an Erythroblasten. Ferritin speichert das Eisen in den Zellen des RES. Es setzt sich aus 24 Proteinuntereinheiten zusammen und bildet eine Hohlkugel mit sechs Poren für die Aufnahme von Fe++. Diese werden zu Fe+++ oxydiert und gespeichert. Jede Hohlkugelkann bis zu 45000 Fe+++-Atome speichern.Der Ferritin-Spiegel im Serum ist proportional dem Speichereisengehalt des RES und dient als Parameter zur Bestimmung der Gesamt-Eisenreserve. Erniedrigte Ferritinspiegel beweisen einen Eisenmangel. Erhöhte Ferritinwerte kommen jedoch bei Leberparenchymschäden, Infektionen, Entzündungen und malignen Erkrankungen ohne quantitative Relation zum Reserveeisen vor.Der Eisen-Spiegel im Serum unterliegt starken Schwankungen. Freies Eisen ist toxisch. Eisen liegt im Serum nur an Transferrin gebunden vor.

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Spurenelement Eisen -  wichtig für die Versorgung mit Sauerstoff

Eisen dient dem Menschen seit Urzeiten zur Herstellung von Werkzeugen, Geräten und Waffen, auch seine Wirkung in der Medizin ist seit langem bekannt. Die alten Ägypter beschrieben bereits um 1500 vor Christus den Eisenmangel, und der berühmte Paracelsus setzte dieses metallische Element in der Medizin ein. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entdeckte man, dass Eisen im Organismus und im Blut enthalten ist. Heute weiß man, dass Eisen im menschlichen Körper das häufigste Spurenelement ist.

Eisen hat viele wichtige Funktionen im Körper
Eisen kommt im Körper als 2-wertiges (Fe++) oder 3-wertiges Eisen (Fe+++) vor. Es ist in den Erythrozyten (rote Blutkörperchen), im Hämoglobin (roter Blutfarbstoff), im Myoglobin (Sauerstoffdepot der Muskeln), in der Leber und Milz sowie im Knochenmark enthalten. Eisen wird zur Bildung von Hämoglobin benötigt, und es ist ein wesentliches Element für die Oxidationsabläufe der Zelle, es trägt sowohl zum Transport von Sauerstoff als auch zu dessen Speicherung bei. Eisen ist weiter ein essentieller Bestandteil vieler Enzyme, z.B. von Katalase und Peroxidase, die Wasserstoffperoxid als Erzeuger der schädlich wirkenden Freien Radikalen zerstören können. Eisen spielt außerdem in der zellulären Immunabwehr und beim Schutz gegen Infektionen eine wichtige Rolle. Weiter ist die Muskelleistung von der ausreichenden Eisenzufuhr abhängig. Der Körper des Erwachsenen enthält insgesamt 2,5 bis 4 Gramm Eisen, davon ist der Hauptanteil (65 bis 73%) an Hämoglobin gebunden. Durch Blutverluste können große Eisenverluste entstehen, schon 4 Milliliter Blut enthalten 2 Milligramm Eisen.

Die Hauptlieferanten von Eisen

Die 10 Eisen-reichsten Lebensmittel enthalten je 100 Gramm

  • Linsen, getrocknet 6,9 mg
  • Bohnen, getrocknet 6,1 mg
  • Erbsen getrocknet 5,0 mg
  • Haferflocken 4,6 mg
  • Spinat 4,1 mg
  • Vollkornbrot, Roggen 3,3 mg
  • Mangold 2,7 mg
  • Rindfleisch, mager 2,6 mg
  • Vollkornbrot, Weizen 2,0 mg
  • andere Fleischsorten (Lamm, Kalb, Schwein, Geflügel) 1,6 mg

Eisen kommt in nennenswerten Mengen in Hülsenfrüchten, grünen Gemüsen, in Getreide und im Fleisch, vor allem in Innereien wie Leber und Nieren, vor. Durch die Verzehrsmengen sind Brot mit 21 %, Fleisch mit 16 %, Wurst mit 11 % und Gemüse mit 9 % die wichtigsten Eisenquellen in unserer Ernährung. Für die Eisenzufuhr ist der Grad der Verwertung wichtig, daher gehört das Fleisch trotz seines geringeren Eisengehalts zu den wichtigsten Lieferanten. Eisen aus Fleisch wird mit einer Resorptionsrate von 23 bis 35 % weitaus besser aufgenommen als Eisen aus Pflanzen, von dem nur 3 bis 8 % verwertet werden. Vegetarier, vor allem Veganer, die auch auf Eier und Milch verzichten, sollten auf die ausreichende Eisenzufuhr besonders achten. Vitamin C-haltige Lebensmittel und Säfte verbessern die Eisenaufnahme im Körper, daher ist z.B. der Verzehr von Wirsing, Spinat, Bohnen und Erbsen für die Eisenversorgung von Vegetariern gut geeignet. Generell ist der tägliche Bedarf von etwa 15 mg Eisen nicht allein aus pflanzlichen Lebensmitteln zu decken.

     

Der tägliche Bedarf an Eisen

Der tägliche Eisenbedarf basiert auf dem natürlichen Eisenverlust von 1 bis 2 mg pro Tag, bei gebärfähigen Frauen ist der Eisenverlust durch die Menstruation mit ca. 15 mg pro Monat höher. Allgemein geht man von einem täglichen Bedarf an 1 bis 3 mg Eisen aus, wobei Frauen mehr Eisen benötigen als Männer. Da in der Nahrung enthaltenes Eisen nur relativ gering verwertet wird, sind die täglichen Bedarfsmengen entsprechend höher angesetzt. Im Durchschnitt werden nur 6 bis 15 % des in der Nahrung vorhandenen Eisens vom Körper resorbiert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt für Kinder ab 7 Jahren sowie für Jugendliche und Erwachsene 10 bis 12 mg Eisen täglich. Junge Mädchen und Frauen von 10 bis 50 Jahren sollten 15 mg Eisen aufnehmen. In der Schwangerschaft und Stillzeit steigt der Eisenbedarf, bei Schwangeren besteht der höchste Bedarf in den letzten drei Monaten vor der Geburt. Schwangeren Frauen werden täglich 20 mg Eisen, stillenden Frauen 30 mg Eisen empfohlen. Dieser Mehrbedarf ist nicht durch die Zufuhr aus der Nahrung zu decken, sondern muß über Ergänzungspräparate zugeführt werden. Frauen nach der Menopause haben dagegen keinen höheren Eisenbedarf als Männer. Orthomolekulare Therapeuten setzen den Eisenbedarf etwas höher an, sie gehen von einem Bedarf von 8 bis 25 mg täglich aus, schwangeren und stillenden Frauen werden 25 bis 45 mg Eisen empfohlen.
Die Aufnahme von Eisen kann durch einige Stoffe in der Nahrung gefördert oder gehemmt werden. Vitamin C, Fruktose, Zitrate und einige Aminosäuren verbessern beispielsweise die Resoption von Eisen. Dagegen können die Phytinsäure (in Getreide, Reis und Soja), die Oxalsäure (im Spinat), Alginate (in Fertigprodukten, Puddingpulver, Fertigsuppen, Speiseeis), Tannine (im schwarzen Tee und Kaffee) die Aufnahme von Eisen verringern.

Wann besteht ein erhöhter Bedarf an Eisen?

Ein Mehrbedarf an Eisen besteht vor allem in der Zeit des Wachstums sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit. Auch bei Säuglingen und Kleinkindern bis zu 2 Jahren sowie in der Pubertät reicht die Eisenzufuhr oft nicht aus. In vielen Fällen greift der Körper zur Selbsthilfe. Sind die Eisenspeicher im Körper gefüllt, so wird Eisen aus der Nahrung relativ gering genutzt. Besteht dagegen ein Eisenmangel, so steigt diese Menge deutlich an.
Trotz der inneren Regulierung kann es durch verschiedene Faktoren zum Eisenmangel kommen. Er ist neben dem Jodmangel das in Industrieländern am häufigsten auftretende Defizit bei den Mineralstoffen, und die Eisenmangelanämie ist weltweit die häufigste Eisenmangelkrankheit. Sie ist in den Ländern der Dritten Welt weit verbreitet, kommt aber auch in Industrieländern vor. Besonders häufig betroffen sind Frauen im gebärfähigen Alter. Generell kommen schwere Eisenmängel bei uns jedoch sehr selten vor, von einem leichten Eisenmangel sind jedoch viele Frauen betroffen. Er kann z.B. bei stark einseitiger Ernährung auftreten sowie durch schlecht aufnehmbare Eisenverbindungen (Phosphate). Erkrankungen im Magen-Darm-Kanal können die Eisenaufnahme beeinträchtigen, z.B. durch unzureichende Umwandlungsprozesse. Eisen kann durch hohe Blutverluste verlorengehen, beispielsweise durch Verletzungen, während der Menstruation und häufiges Blutspenden. Eisenmängel kommen bei bestimmten Krankheiten (z.B. Infektionen, Hormonstörungen Rheuma, Krebs) vor und können auch durch Arzneimittel (z.B. Antibiotika, einige schmerz- und entzündungshemmende Medikamente) entstehen. Ein Mangel an Vitamin B6 kann zum Eisenmangel beitragen. Nicht nur zuwenig Eisen kann zur Entwicklung von Krankheiten beitragen, auch zuviel Eisen kann krankhaft sein, die sogenannte Eisenspeicherkrankheit wird oft nicht oder erst spät erkannt.

Typische Gruppen für einen Mehrbedarf an Eisen

  • Säuglinge, Kleinkinder, Jugendliche im Wachstum
  • Frauen im gebärfähigen Alter, besonders in Schwangerschaft und Stillzeit
  • Leistungssportler
  • häufige Blutspender
  • Vegetarier, vor allem Veganer
  • bei einseitiger Ernährung, (Eiweißmangel oder vorwiegend Milchnahrung)
  • bei häufigen Schlankheitsdiäten sowie bei Eßstörungen (Bulimie)
  • Senioren bei verringerter Darmdurchblutung
  • bei Verdauungsproblemen und Störungen im Magen-Darm-Trakt (z.B. zu wenig Magensäure)
  • Eisenmangelanämie
  • bei bestimmten Krankheiten (Hormonstörungen, Infektionen, Rheuma, Krebs)

    Deckt die tägliche Ernährung den Bedarf an Eisen?

    Die Zufuhr von Eisen aus unserer täglichen Nahrung liegt bei 2 bis 5 mg täglich, Quellen sind hauptsächlich Fleisch, Wurstwaren, Brot und grünes Gemüse. Eisen aus tierischen Quellen wird vom Körper besser verwertet als das aus pflanzlichen Lebensmitteln. Die Resoption im Körper wird durch vorhandenes Vitamin C, verschiedene Aminosäuren (z.B. Cystein) und durch Sorbit erhöht.

    Wenn Eisen im Körper fehlt

    Ein Eisenmangel beeinträchtigt die körperliche Leistungsfähigkeit. Es gibt eine Reihe von typischen, jedoch recht unspezifischen Symptomen: Man wird schnell müde, leidet unter Kopfschmerzen, fühlt sich schwach, ist stärker reizbar, nervös und wetterfühlig. Es kann zu Blässe, spröder, rauher Haut und zu brüchigem Haar kommen, Rillen in den Fingernägeln und Risse in den Mundwinkeln können sich bilden. Weiter können Herzklopfen, Atemnot, Zungenbrennen und Verstopfung entstehen. Ein Eisenmangel verhindert auch die Aktivität wichtiger Enzyme, die wiederum an vielen Körperprozessen beteiligt und damit beeinträchtigt sind. Weiter wird die Thermoregulation (Wärmehaushalt des Körpers) gestört, es können Abwehrschwächen auftreten und die Anfälligkeit für Infektionen kann steigen.

    Kann man Eisen überdosieren oder gibt es Nebenwirkungen?

    Die Zufuhr von zuviel Eisen kann Beschwerden im Magen-Darm-Bereich auslösen, typisch ist die (harmlose) Dunkelfärbung des Stuhls. 3-wertige Eisenpräparate sind für den Magen verträglicher, dagegen ist 2-wertiges Eisen besser verwertbar. Letzteres wird in magenfreundlichen Dragees verabreicht, damit das Eisen erst im Darm freigesetzt wird. Eine Überdosierung an Eisen durch Ergänzungen ist bei normaler Eisenverwertung nicht zu befürchten, da die Aufnahme im Körper vom Bedarf geregelt wird.

    Eisen zur Vorbeugung - und wieviel?

    Um einem allgemeinem Eisenmangel vorzubeugen, werden meist Ergänzungen im Bereich der täglichen empfohlenen Bedarfsmengen empfohlen, etwa 10 bis 15 mg Eisen pro Tag. Schwangere und stillende Frauen sollten Eisen ergänzen, da ihr Mehrbedarf nicht aus der Ernährung gedeckt werden kann. Die Ergänzung sollte über mehrere Monate regelmäßig erfolgen. Bei Verdacht auf Eisenmangel kann der Arzt mit Hilfe eines Bluttests den Grad der Versorgung feststellen. Bei allen krankheitsbedingten Eisenmängeln wird Eisen in therapeutisch sinnvollen Dosen ergänzt, die den Tagesbedarf deutlich überschreiten können. Bei stärkerem Eisenmangel muß die Ergänzung über längere Zeit erfolgen, da die Auffüllung der Eisenspeicher Monate andauern kann.


Anämien
Eisenmangelanämie (häufigste Anämieform).
Prälatente Anämie: verminderter Eisengehalt des Knochenmarks.
Latente Anämie: Ferritin (empfindlichster Parameter), Eisen und Transferrinsättigung sind erniedrigt, Hämoglobin noch normal.
Manifeste Anämie: Hb, MCV, MCH, MCHC (nur bei schweren Fällen) und Retikulozytenzahl vermindert. Hypochrome,
mikrozytäre Erythrozyten mit Aniso-, Poikilo- und Anulozytose sind im Blutausstrich nachweisbar.
Ursachen: Blutverlust (Magendarmbereich, Menorrhagie/Metrorrhagie, Lungenblutungen - Goodpasture-Syndrom), erhöhter
Bedarf (Schwangerschaft, Laktation, Säuglinge), Nahrungseisenmangel (Vegetarier), Malabsorption (Anazidität, Sprue, Zöliakie)
Hypo- und Atransferrinämie (nephrotisches Syndrom).
Symptome: Mundwinkelrhagaden, Glossitis, Müdigkeit, Leistungsschwäche, Belastungsdyspnoe, Palpitationen.
Verlauf nach Behandlung: Retikulozytenanstieg nach einer Woche, Besserung der Anämie nach 4 - 8 Wochen, Auffüllung
des Eisenspeichers innerhalb von 6 Monaten (Ferritin-Kontrollen).
Eisenüberladung:
Transferrinsättigung über 62 % (empfindlichster Parameter), Eisen (in Serum und Urin) und Ferritin sind erhöht .
Ursachen
Idiopathische oder primäre Hämochromatose: autosomal vererbte Störung der Eisenresorption. Ca.10% der Bevölkerung sind
heterozygot und 0.3% homozygot. Ca. 1/3 der heterozygoten Männer und 1/6 der heterozygoten Frauen haben eine erhöhte
Transferrinsättigung. BeiHeterozygoten kann Alkoholkonsum (4 - 10 mg Eisen/Liter Rotwein) die Krankheit auslösen.
Bei Homozygoten: Speichereisen im Durchschnitt -Männer 17 g (normal 4.1 g); Frauen 6 g (normal 2.3 g). Entwicklung der
Krankheit über Jahre.Sekundäre Hämochromatose: durch sideroblastische Anämie, Thalassämie, massive gehäufte Bluttransfusionen,
Eisenüberdosierung,Alkoholzirrhose.
Symptome: Leistungsunfähigkeit, Hautpigmentation, Hodenatrophie, Impotenz, Gynäkomastie, Lebervergrößerung, Diabetes mellitus,
Arthropathie, Herzinsuffizienz.
 

 Eisen

«Eisen ist dauerhaft, doch eines Tages wird es verrosten. Einige verbreitete Ansichten über die Vorteile des Eisens in der Ernährung werden in naher Zukunft dasselbe Schicksal erleiden. Auch sie werden bald einmal zum alten Eisen gehören.»
Felix Kieffer, Spurenelement-Fachmann
Vielen Vegetariern wird immer wieder gesagt, sie sollten Fleisch essen oder wenigstens Eisenpräparate einnehmen, damit sie ihren Eisenbedarf decken könnten. Einige Menschen lassen sich dadurch sogar von der gesünderen, vegetarischen Ernährungsweise abbringen. Wie steht die Wissenschaft zu dieser weit verbreiteten Meinung?
Bei der Vegetarier-Studie des Bundesgesundheitsamtes Berlin stellte man folgendes fest: «Unsere Untersuchungen ergaben niedrigere Eisen- und Hämoglobinwerte bei weiblichen Vegetariern. Klinisch verwertbare Folgerungen konnten daraus jedoch nicht gezogen werden. Zudem tritt in letzter Zeit eine andere Bewertung der sogenannten Eisenmangels in den Vordergrund. Es gibt sogar Wissenschaftler, die niedrigeres Serumeisen für gesundheitlich vorteilhaft halten.»( Die Empfehlung von Eisenpräparaten wird damit sehr fraglich.Die Berliner-Studie ist nicht die einzige, die über dieses Thema gemacht wurde. Alle seriös durchgeführten Studien kommen zu einem ähnlichen Ergebnis (die Studien, die von der Fleisch- oder Milchindustrie bezahlt wurden, kommen selbstverständlich zu einem anderen Resultat als die unabhängigen Studien!).Aus der Arbeit vom Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität, Giessen, kann man entnehmen: «Eisenwerte von Vegetariern liegen durchschnittlich im unteren Normbereich. Da die Standartwerte auf Messungen mit fleischessenden Personen beruhen, wird derzeit diskutiert, ob diese für alle Menschen verbindlich sind. Die Diskussion wird durch die Feststellung belebt, dass Eisenwerte im unteren Normbereich einen gewissen Schutz gegen Infektionskrankheiten und Herzinfarkt bieten.» Einige Studien gehen sogar noch weiter und sehen einen Zusammenhang zwischen vielen Zivilisationskrankheiten und zuviel Eisen. Dies gilt insbesondere für die Alzheimerkrankheit, da dabei ein abnorm hoher Eisengehalt im Gehirn feststellbar ist.Bei einer einseitigen Ernährung (egal ob mit oder ohne Fleisch) wird man immer einen Vitamin- oder Mineralstoffmangel erleiden. Die beste Vorsorge bietet eine ausgewogene (vegetarische) Vollwerternährung mit einem hohen Anteil an frischer (biologischer) Rohkost. Sehr wichtig ist auch, das Kleinkind lang zu stillen und auf keinen Fall die Muttermilch durch Kuhmilch zu ersetzen, da sie die Eisenabsorption (=Eisenaufnahme) des Kindes verringert (dies kann auch durch eine Anreicherung der Kuhmilch mit Eisen nicht ausgeglichen werden) .Eine sich durchschnittlich ernährende Person nimmt ca. 25-30 % seines Eisens über tierische Nahrungsmittel auf (Fleisch, Fisch, Eier, Milch,...). Das heisst, dass auch Fleischesser den grössten Teil ihres Eisens aus pflanzlichen Nahrungsmitteln beziehen. Dass Fleisch das einzige Nahrungsmittel mit Eisen ist, muss deshalb als «Mythos»der Fleischindustrie angesehen werden. Hingegen trifft es zu, dass Fleisch Eisen in so hoher Konzentration enthält, dass der menschliche Körper mangels effizienter Ausscheidungsmöglichkeiten (wie dies bei den anderen Spurenelementen z.B. durch den Urin der Fall ist) dadurch stark belastet wird. Die einzigen Nahrungsmittel, die praktisch kein Eisen enthalten, sind Milch(-produkte), Zucker, Fette und industriell verarbeitete Nahrungsmittel! Nebst all diesen theoretischen Begründungen sollte man jedoch auch in Erwägung ziehen, dass VegetarierInnen, die sich ihr ganzes Leben ausgewogen vegetarisch ernährt haben, kaum je Symptome einer Eisenunterversorgung bekommen. Ihr Körper scheint sogar das Eisen aus der Nahrung besser aufnehmen zu können als derjenige von Fleischessern.Falls jemand dennoch unter Eisenmangel (Anämie) leiden sollte (z.B. durch hohen Blutverlust bei einem Unfall), ist dies noch lange kein Grund, tierische Produkte zu konsumieren. Statt dessen sollten lieber folgende Produkte vermieden werden, da sie die Eisenaufnahme (Eisenabsorption) des Körpers hemmen: Rotwein, Schwarztee, Kaffee, Kakao (egal ob als Getränk oder in der Schokolade), Knoblauch, Zwiebeln und Joghurt/Sauermilch. Lebensmittel mit einem hohen Vitamin C Gehalt sollten hingegen öfters konsumiert werden, da das Vitamin C die Eisenaufnahme verbessert.Der (unvollständigen) Liste ist zu entnehmen, weshalb Fleischesser meist ein grösseres Verlangen nach koffeinhaltigen Getränken (Kaffee, Schwarztee, Kakao, Cola) haben, da der Konsum dieser Getränke den überhöhten Eisenwert in ihrem Blut senkt.
Bereitgestelt von:
Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus
SVV, Bahnhofstr. 52, CH-9315 Neukirch-Egnach
Tel. 0041 (0)71 477 33 77, Fax (0)71 477 33 78 http://www.vegetarismus.ch svv@vegetarismus.ch
 
Eisengehalt einiger Nahrungsmittel (mg/100g)
Brennessel 41,0
Schweinsleber 22,1
Bierhefe (getrocknet) 17,5
Ingwer 17,0
Sesamsamen 10,0
Sojamehl 10,0
Hirse 9,0
Roggenkeime 9,0
Sojabohnen 8,6
Sauerampfer, roh 8,5
Petersilienblatt, roh 8,0
Weizenkeime 7,5
Pistazienkerne 7,3
Sonnenblumenkerne 7,0
Linsen 6,9
Kichererbsen 6,5
Pfifferling 6,5
Hafer 5,8
Leberwurst 5,4
Mandeln 4,7
Haselnuss 3,8
Weizen 3,3
Kalbsschnitzel 3,0
Reis 2,6
Schweinsschnitzel 2,3
Brathuhn 1,8
Cervelatwurst 1,7
Mais 1,5
Hühnerei 1,4
Bachforelle 0,7
Chinakohl, roh 0,6
Milch, alle Arten 0,1

Siehe zum Thema Eisen auch folgenden Artikel aus Vegi-Info 2/96 von Dr. med. Neal D. Barnard:

Eisenmangel - Welche ernährungsbedingten Einflüsse und Risikogruppen gibt es?

Die Hauptfunktion von Eisens ist es, als integraler Bestandteil von Hämoglobin, Sauerstoff zu den Geweben zu transportieren. Eisen ist auch unerläßlicher Bestandteil wichtiger Enzyme. Eisenmangel führt zu verminderter körperlicher Ausdauer- und Leistungsfähigkeit. Marginaler Eisenmangel steht im Verdacht, sich negativ auf die Gehirnfunktion (Lernfähigkeit) auszuwirken.
In tierischen Erzeugnissen liegt Eisen in gebundener Form (Häm-Eisen, Myoglobin) vor. Dadurch ist die Resorption besser als aus pflanzlichen Produkten, in denen Eisen in mineralischer Form vorliegt. Die Resorption von solchem Nichthäm-Eisen wird zusätzlich durch die Gegenwart von Phytaten (Getreide), Polyphenolen (schwarzer Tee) und Calcium gehemmt. Vitamin C hingegen verbessert die Eisenresorption erheblich. Die gleichzeitige Anwesenheit von Häm-Eisen (Fleisch, Fisch) steigert sie ebenfalls .
Als besondere Risikogruppen für Eisenmangel gelten Schwangere, Heranwachsende und sich vegetarisch Ernährende (insbesondere Veganer).Untersuchungen mit Vegetariern und Vegetarierinnen ergaben allerdings, daß bei Männern keine und nur bei 17% der Frauen geringe Abweichungen der Serum-Eisenwerte nach unten zu verzeichnen waren. Als mögliche Erklärung wird eine Erhöhung der Resorptionsrate unter Eisenmangelbedingungen genannt. Auch konnten keine Anhaltspunkte gefunden werden, daß der um etwa 10% niedrigere Serum-Eisen-Spiegel mit irgendwelchen Krankheiten verbunden war. Im Gegenteil: Es steht sogar ein geringeres Infektionsrisiko und eine Verringerung des Herzinfarktrisikos bei Frauen zur Diskussion. Bei Schwangeren wird neueren Untersuchungen zufolge ein erhöhter Eisenbedarf durch eine während der Schwangerschaft deutlich erhöhte Resorptionsrate kompensiert. Eine Supplementation ist demnach nicht nötig, wenn zu Schwangerschaftsbeginn kein Eisenmangel herrscht.

Literatur:

  • Barret J.F.R. et al.:
    Absorption of non-haem-iron from food during normal pregnancy.
    British Med. Journal 309, 79-82, 1994
  • Arbeitskreis Ernährungs- und Vitamin-Information e.V.:
    Vitamin C verbessert die Eisenresorption.
    evi aktuell (1), 10-11, 1994
  • Rottka H.:
    Fleischlos leben - gesund leben? Vegetarische Ernährung aus medizinischer Sicht.
    Deutsche Apotheker-Zeitung 133(8), 605-608, 1993

Spinat - ein guter Eisenlieferant ? Ein kompletter Unsinn, aber nicht auszurotten
Spinat ist ein sehr gesundes Gemüse. Er enthält größere Mengen der Vitamine A und C sowie Beta Carotin.Aber er enthält kaum Eisen.
Die Legende vom Eisenlieferanten Spinat entstand Ende des 19. Jahrhunderts, als ein Chemiker bei der Analyse von Spinat das Komma für den Eisengehaltswert versehentlich um eine Stelle nach rechts rückte. Damit attestierte er dem Spinat einen um das 10-fache erhöhten Eisengehalt.
Zum niedrigen Eisengehalt des Spinats kommt noch ein hoher Gehalt an Oxalsäure, die Eisen bindet. Also alles ein Märchen? Leider ja.


Kurzbeschreibung
Eisenstoffwechselstörungen, insbesondere der Eisenmangel, zählen zu den am häufigsten übersehenen oder fehlgedeuteten Erkrankungen. Anämien sind ein weltweites Problem. Davon betroffen sind vor allem ältere Menschen. Nach den WHO-Kriterien (World Health Organisation. Nutritional anemias. Technical Reports Series 1992; 503) spricht eine Hb-Konzentration <12g/dl bei der Frau und <13g/dl beim Mann für eine Anämie. Danach haben 10-22% der Frauen und 6-30% der Männer älter als 65 Jahre eine Anämie. In dieser Auflage werden die Schwerpunkte auf die Therapie von renalen und entzündlichen und vor allem auf rheumatoide Anämien gesetzt. Dennoch bleibt weltweit der Eisenmangel mit Abstand die häufigste Anämieursache. Darüber hinaus haben auch neue Erkenntnisse über den Gendefekt der Hämochromatose sowie über die Folgen der Eisenüberladung dazu geführt, diesen bisher unterschätzten Problemen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die Diagnostik - und insbesondere die Therapie der Anämien - haben in den letzten Jahren derartige Fortschritte gebracht, die nahelegen, die Therapie und das diagnostische Spektrum zu erweitern. Die Autoren haben sich deshalb entschlossen, das Buch zu überarbeiten. Die starke Nachfrage machte eine sechste, erweiterte Auflage notwendig.

Eisenstoffwechsel, Anämien. Therapie
und Diagnose. Neue Konzepte bei Renaler Anämie und Rheumatoider Arthritis
von M. Wick, W. Pinggera, P. Lehmann  Broschiert - 218 Seiten -
Erscheinungsdatum:  September 2000
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